Begriffsbetrug am Beispiel von Rainer Mausfeld

Begriffsbetrug macht eine sachliche Diskussion unmöglich, denn er verfälscht die Argumente wie Zahlendreher Rechnungen. Mit Begriffsbetrügern kann man nicht diskutieren, weil man nicht dieselbe Sprache spricht. Begriffsbetrug ermöglicht Verbrechen und ist eines.

Ein Beispiel liefert Rainer Mausfelds Text Ideologie der Meritokratie als Herrschaftstechnik:

Die Begriffe Meritokratie und Leistungsgesellschaft haben jeweils eine bestimmte Bedeutung — unabhängig von der Realität. Es sind zunächst Ideen.

Der Autor jedoch setzt diese Ideen mit ihren angeblich gescheiterten Realisierungen gleich (1. Betrug) und behauptet dann auch noch, dass dieses Scheitern bereits von den Ideengebern heimlich intendiert gewesen sei (2. Betrug). Da das Scheitern angeblich im umgekehrten Effekt als dem durch den Namen nahegelegten besteht (in einer Leistungsgesellschaft sind laut Autor diejenigen am reichsten, die am wenigsten leisten), setzt er die Begriffe mit ihrem Gegenteil gleich, was logisch widersinnig und damit unzulässig ist (3. Betrug), und er unterstellt dabei den Ideengebern, dass sie das Gegenteil von dem Guten beabsichtigten, das sie vorgaben, also etwas Schlechtes. Um die vermeintliche Schlechtigkeit dieser Ideen hervorzuheben, bezeichnet er sie als Ideologien.

Doch man kann nicht einfach einen Begriff mit seinem Gegenteil gleichsetzen (außer in ironischer Sprache, welche aber durch den Kontext kenntlich gemacht werden muss). Wer das tut, ist ein Betrüger.

Wichtig ist zu verstehen, dass der Autor nicht einfach ein Scheitern trotz guter Absichten beklagt, sondern im Scheitern den Beweis sieht, dass die Absichten von vornherein durch und durch böse waren.

Das ist typisch ideologische Propaganda: Jeder Fehler des Gegners wird als böse Absicht ausgelegt.

Zum Vergleich wende ich die Logik des Autor auf den Pazifismus an:

Der Pazifismus eines Landes ist immer auch eine ungewollte Einladung an kriegerische Feinde, eine Invasion zu versuchen. Der Pazifismus erhöht also die Kriegsgefahr und wird dadurch letztendlich immer scheitern. Argumentiert man nun wie der Autor, ist jeder Pazifist ein Kriegstreiber.

Tatsächlich bin ich der Meinung, das viele vermeintliche Pazifisten genau eine solche Invasion in Bezug auf Deutschland heimlich im Sinn haben (durch Weigerung, die Grenzen gegen illegale Einwanderer zu verteidigen). Trotzdem würde ich niemals behaupten, dass der Pazifismus eine von Grund auf bösartige Ideologie sei. Man darf nicht den Missbrauch einer Idee mit der Idee gleichsetzen!

Der Autor jedoch versucht mit Begriffen auf eine Weise zu betrügen und zu manipulieren, die ich kriminell finde. Denn wenn man alles Positive zum Negativen umdeuten kann, dann kann man auch aus jedem Friedensengel einen Mörder machen und damit jeden ausräumen, der der eigenen Ideologie widerspricht. Was eben seinerseits kriminell ist.

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