Barack Obama bestätigt meine Theorie, dass er zu früh dran war – aber aus dem falschen Grund (oder: What happened? Obama!)

Im August 2016 schrieb ich über den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2007/2008:

Als Anfang des Jahres 2007 Hillary Clinton in der Öffentlichkeit als sichere kommende US-Präsidentschaftskandidatin der demokratischen Partei und aufgrund der Wechselstimmung als genauso sicherer next president galt, funkte plötzlich ein junger, ehrgeiziger Senator namens Barack Obama dazwischen. […] Allerdings gab es ein Kriterium, das für die Clinton sprach, und zwar nicht im Sinne persönlicher Konkurrenz, sondern parteiinterner Kooperation. H. Clinton ist 13 Jahre älter als Obama und war damals bereits 60. Jeder konnte sich ausrechnen: Wenn H. Clinton jetzt antritt, sind ihre Chancen auf Präsidentschaft wegen der Summe aus Wechselstimmung und Weiberkult praktisch 100%. Aber acht Jahre später wäre sie vielleicht schon zu alt, und würde anstatt modern eher modernd wirken. Obama dagegen würde im besten Präsidentenalter sein. Er würde sich zuvor unter H. Clinton in der Regierung profilieren können und hätte dann in der Summe aus Meriten und Melanin gleichfalls praktisch 100% Wahlchancen. Im Tandem in dieser Reihenfolge hätten sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für 16 Jahre demokratische Präsidentschaft sorgen können. Jetzt, im Jahre 2016, nach acht Jahren Obama, hat Hillary zwar immer noch gute Chancen, aber deutlich weniger als 2008, und vor allem konnte man damals nicht ahnen, dass wie ein Springteufel der schwache Donald Trump auftauchen würde.

Doch Barack Obama dachte nur an sich. Er wollte die Präsidentschaft – sofort. Er wollte in die Geschichte eingehen – vor Hillary Clinton. In vollendeter Matschomanier schnappte er ihr die Präsidentschaft vor der Nase weg. Gar nicht gedacht hat er dagegen daran, sich als Mann zurückzunehmen und einer Frau den Vortritt zu lassen. Jedoch genau dies erwartet er jetzt von allen anderen Männer nach ihm.

Nochmal zwei Jahre später haben wir den Salat: Der Springteufel ist tatsächlich Präsident – was keiner glauben wollte (außer 62.984.825 Trump-Wählern plus Prinz Frédéric von Anhalt).

Und Barack Obama kriegte den Blues sowie eine späte Einsicht. Er wird nun zitiert mit den Worten:

Sometimes I wonder whether I was 10 or 20 years too early.

Zur endgültigen Selbsterkenntnis fehlt aber noch ein ganzes Stück. Denn Obama wird auch überheblich:

Maybe we pushed too far. Maybe people just want to fall back into their tribe.

Obama interpretiert seine verfrühte Präsidentschaft also so, dass die Welt für ihn noch nicht reif gewesen sei.

In Wahrheit jedoch war er noch nicht reif für den Feminismus.

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