John Kasich: Ein Präsidentschaftsbewerber, der seinen eigenen Namen nicht korrekt aussprechen kann (oder will)

John Kasich galt vielen Beobachtern der US-amerikanischen Präsidentschaftsvorwahlen 2016 als letzte Hoffnung der republikanischen Partei gegen Donald Trump. Zwar machte er einen seriöseren Eindruck als der oberflächliche, pöbelnde und rechtschreibschwache Trump. Doch würde ich als US-Bürger niemanden zum Präsidenten wählen wollen, der seinen eigenen Namen nicht korrekt aussprechen kann oder will.

John Kasich hat auf Nachfrage behauptet, sein Name werde korrekt ausgesprochen wie [kɛɪsᵻk]und machte das auch in einem Wahlkampfwerbefilmchen vor:

Doch hat er Recht?

Eine kurze Recherche ergibt, dass Kasichs Vater aus der Tschechei und die Mutter aus Kroatien stammt, sodass davon auszugehen ist, dass der Name Kasich aus einer der beiden Landessprachen kommt. Er findet sich in dieser Schreibweise auf tschechischen und kroatischen Internetseiten nur im Zusammenhang mit der Person John Kasich, was wiederum nahelegt, dass es sich dabei um eine anglisierte Schreibweise handelt. Die Buchstabenfolge ch steht bei der englischen Umschrift slawischer Sprachen traditionell für [ʧ] oder [ʨ], doch niemals für [k]. [ʧ] und [ʨ] werden in der tschechischen und kroatischen Rechtschreibung durch č bzw. ć repräsentiert. Tatsächlich erhält man durch Eingabe von Kasic in die Suchmaschine zehntausende von Treffern für Kasič (tschechisch) und Kašić (kroatisch). Kasich – mit [s] und [ʧ] – ist also eindeutig die anglisierte Schreibweise von Kasič.

Nun stellt sich die Frage: Warum spricht John Kasich seinen Namen nicht linguistisch korrekt aus? Hat er so wenig Ahnung von seiner Familiengeschichte, dass er es nicht besser weiß – oder ist er ein Rechtschreibpopulist, also jemand, der lieber dem ungebildeten Volk nach dem Mund redet anstatt ihm das Lernen einer korrekten Aussprache abzuverlangen? Letzteres ist wahrscheinlich, aber widersinnig, denn Kasichs Eigenaussprache ist ja gerade eine, die umständlich gelernt werden muss: Sie entspricht ja nicht den englischen Ausspracheregeln, die hier von Haus aus ein [ʧ] nahelegen, und das nicht nur aufgrund der slawischen Umschrift. Einen Namen, der nach englischen Ausspracheregeln geschrieben wurde (noch unmissverständlicher wäre übrigens Kahsich), in einem englischsprachigen Land nach einer vermeintlich exotischen Phantasierechtschreibung anders auszusprechen, obwohl man es dem Volk doch eigentlich einfach machen will, ist schlicht der Gipfel der Vollidiotie. Soviel Dämlichkeit muss Donald Trump erst noch beweisen. Zum Vergleich: Man stelle sich vor, Anatol Stefanowitsch würde in einem populistisch-exotisch-multikulturellen Kurzschluss behaupten, sein Name würde [stɛfa:novɪtsk] lauten.

Aber für Sprachdarwinisten wie Stefanowitsch sind Namen ja eh nur Schall und Schrift: Eine Aussage, die für einen Sprachwissenschaftler eine Bankrotterklärung ist – sollte er doch der erste sein, der darauf hinweist, dass jeder Eigenname ein reguläres natürliches Wort mit entsprechender Grammatik (inkl. Phonologie) und Bedeutung ist – mal abgesehen von irgendwelchen Ghettonamen.

 

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