Die sinnlose Disrespektiererei des Anatol Stefanowitsch – oder: Brüh im Lichte dieses Blogges…

Der Sprachideologe und Karrierefeminist Anatol Stefanowitsch ist wieder mal der Meinung, dass Frauen sich nicht selbst mit Worten wehren können, sondern seiner männlichen Unterstützung bedürfen. (Dabei weiß doch jeder, dass Frauen auf dem Gebiet der Wortgefechte Männern mindestens ebenbürtig sind).

Diesesmal stört ihn, dass ein österreichischer Schlagersänger nicht die feministisch korrekte Version der österreichischen Nationalhymne singen will. Stefanowitsch stellt dies als unfreundlichen Akt gegenüber Frauen dar. Ich sehe es eher so, dass der Sänger nicht einsieht, warum der Staat etwas wieder aus ihm herausprügeln will, das er während desselben Sängers Schulzeit noch in ihn hineingeprügelt hat: die angeblich unverzichtbare Nationalhymne, die von der ersten bis zur letzten Silbe auswendig zu lernen sei. Recht hat Stefanowitsch damit, dass die Texte von Nationalhymnen dem verständigen Menschen bei genauer Analyse oft ziemlich fragwürdig erscheinen. Gerade deshalb will man möglichst wenig darüber nachdenken und einfach nur die Hymne über die Bühne bringen. Aber die Ideologen der Republiken graben natürlich gerne im Dreck und ziehen alle anderen mit hinein: Straßennamensgeber, die allen bislang herzlich egal und völlig unbekannt waren, werden bildlich gesprochen exhumiert, nur um festzustellen, ob sie vielleicht mal im Jahre 1899 eine Tat begangen haben, die mit den neuesten ideologischen Trends nicht im völligen Einklang steht. So als ob von Straßennamen die Zukunft unserer Kinder abhinge. Und gleichermaßen wird nun mit Nationalhymnen verfahren.

Grundsätzlich sind Nationalhymnen nicht für die Ewigkeit, auch wenn sich die Stifter das natürlich immer wünschen. Die vom Sänger Gabalier favorisierte wurde ja auch erst 1946 eingeführt. Allerdings hatte es vorher gerade einen Weltkrieg gegeben. Es bedarf schon eines triftigen Grundes, um die Änderung einer Hymne zu rechtfertigen. Nun wird Stefanowitsch natürlich argumentieren, dass die Sichtbarmachung von Frauen in einer Nationalhymne sehr triftig sei. Ja schön. Aber was, wenn ebenjener kritisierte Text von einer Frau höchstselbst stammt? Eine österreichische Ministerin hat auf herablassende Weise den Sänger öffentlich belehrt. Warum hat sie nicht stattdessen postum die Verfasserin der unziemlichen Zeile herablassend belehrt? Wieso gibt man Männern die Schuld, wenn sich Frauen selbst unsichtbar machen?

Ich persönlich habe übrigens nichts gegen die Änderung, weil ich der Meinung bin, dass es sich bei den freien bzw. großen Söhnen nicht um verallgemeinerndes Maskulinum handelt. Mich kotzt es aber an, wenn sich so eine Tante von Ministerin vor die Kamera stellt und die Oberlehrerin spielt nach dem Motto „Ihr kleinen dummen Männer, könnt ihr denn nicht lesen?“ Stattdessen liegt die Idiotie hier bei den Frauen selbst.

In Stefanowitschens Vorstellungswelt wäre es übrigens gar nicht möglich, dass der Hymnentext von einer Frau stammt. Es gab damals einen Aufruf an die Dichter der Republik Ö. zur Einsendung von Textvorschlägen. Am Ende wurde der Text einer Dichterin gewählt, die von einem männlichen Minister erst noch von der Teilnahme hatte überzeugt werden müssen. Nach Stefanowitschideologik wären die Texte von Dichterinnen dagegen gleich im Papierkorb gelandet.

Der Text wurde anschließend im Einvernehmen mit der Autorin leicht optimiert, wobei sie allerdings auch alle Rechte abtreten musste. Stefanowitsch, der Listige, versucht nun, den Sänger Gabalier der Idiotie zu überführen mit der Behauptung, dass dieser sich selbst widerspreche durch die Forderung, man solle stets aus Respekt vor dem Autor den Originaltext singen – während der von ihm gesungene Hymnentext bereits selbst kein Originaltext mehr ist. Dabei unterschlägt Stefanowitsch aber die eben erwähnte Tatsache, dass die Autorin Änderungen vertraglich zugestimmt hatte. Lieber erklärt er den Sänger für größenwahnsinnig, weil der seine eigenen Texte für ebenso unvergesslich wie nicht mehr verbesserungsfähig halte. Tatsächlich machen sich viele Menschen falsche Vorstellungen über die Unantastbarkeit von künstlerischen Werken. Allerdings fängt die ungefragte Schnibbelei erst an, nachdem die Urheberrechte erloschen sind, was lange nach dem Tode des Urhebers geschieht. Aber Stefanowitsch ist ja (oder war?) Parteipirat und hat dementsprechend wenig Respekt vor Urheberrechten.

Überhaupt hat Stefanowitsch wenig Respekt vor Künstlern. Gabaliers musikalische Freunde aus Sing mein Lied (das war eine Übersetzung aus dem Denglischen ins Deutsche – Übersetzen darf man auch ungefragt, hihi) disrespektiert er als „ehemalige [!] Musikgrößen“ mit „mittelmäßigen Stücken“. Dabei müsste ihm die relativ bunte Truppe doch gefallen: Zwei Frauen, ein Frauenanbeter, ein Mädchenschwarm (hier wirklich ehemalig), ein brotloser Künstler und ein Ausländer. Darüber schwebt die dunkelhäutige Lichtgestalt und große deutsche Multikulti-Hoffnung Xavier Naidoo. Hat sich Naidoo vielleicht schuldig gemacht, weil er bei den Söhnen Mannheims singt und damit die Töchter Mannheims unsichtbar macht? Oder fehlt irgendwo die homosexuelle Komponente? Von Mittelmäßigkeit kann bei den (meisten) Beteiligten jedenfalls keine Rede sein. (Habe selbst zwei Folgen gesehen.)

Bemerkenswert ist noch, dass eine der Mitstreiterinnen, Sarah Connor, selbst einmal im Zentrum einer Nationalhymnenkontroverse lag, als sie nämlich bei einem öffentlichen Vortrag der deutschen Hymne versehentlich „Brüh’ im Lichte dieses Glückes“ sang und ihr von Seiten der Spießer gleich mangelndes Deutschtum vorgeworfen wurde.

Fazit

Stefanowitsch „disst“ fast alles: Gabalier, Musiker, Texter, Urheberrechte, Nationalhymnen, Nationen, Frauen (letztere als Kollateralschaden). Nur er selbst ist natürlich ein toller Hecht.

 

 

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