Serdar Somuncu (nicht Zerdar Zomançu) zeigt Maybrit Illner und Fernsehdeutschland, wie brutal Multikulti wirklich ist

Der Kabarettist oder Komödiant oder Komiker oder was auch immer (Hauptsache kein Kimmihdjin) Serdar Somuncu war mir bislang nicht unbedingt sympathisch. Ausgestattet mit dem Gesichtsausdruck eines cholerischen Riesenbäibis, das durch èin falsches Wort zur Explosion gebracht werden kann, sowie einer gemeinen Pöbelschnauze, ist er geeignet, nicht nur kleinen Mädchen Angst einzujagen. Neuerdings durfte er in der ZDF-heute-Show den türkischen Zwillingsbruder von „Gernot Hassknecht“ geben. Zur Zweitverwertung setzte das ZDF ihn auf einen Stuhl in Maybrit Illners Diskussionsrunde zu vermeintlich klammernden und besitzergreifenden Einwanderern.

Doch anstatt, wie viele andere Vorzeigemigranten, Integration mit Unterwürfigkeit zu verwechseln, zeigte Somuncu wirklich klare Kante. Er wies Maybrit Illner wegen ihrer Falschaussprache seines Namens in einer Weise zurecht, die nach üblichen Maßstäben als äußerst unhöflich gelten müsste, und die einer geistigen Ohrfeige gleichkam, die Illner nicht so schnell vergessen dürfte. Illner hatte bei der Vorstellung Somuncus dessen Namen gleich mehrfach verhunzt:

Illner: Hat es, Herr Zomançu, mit dieser Integration [der türkischen Gastarbeiter] deshalb nicht so richtig gut geklappt, weil die Deutschen sie eigentlich nicht wollten?

Somuncu: Mit Ihrer Integration hat es nicht so gut geklappt, weil ich Somuncu heiße und nicht Somoncu… (lacht)

Illner: Entschuldigung… Ssommmmundschuh! werd‘ ich jetzt bis zum Ende der Sendung sagen!

Somuncu: … Frau Ellner. (ganzes Studio lacht und freut sich) Also wenigstens meinen Namen hätten Sie ja vorher noch lesen können das gibt’s ja nicht, wo wir Kollegen sind, beim ZDF…

Illner: Zum Glück sag‘ ich nicht Zaimoglu, das ist dann das nächste.

Somuncu: Oder „so Mongo“. Das wär‘ noch viel schlimmer.

Illner: Kommen wir zur eigentlichen Frage…

Geil! Das hat mehr Witz & Biss als 10 Folgen heute-Show. Besser kann man die ganze Multikulti-Heuchelei der vermeintlichen Ausländerversteher nicht entlarven.

Normalerweise verhält es sich so, dass Mitbürger mit fremdsprachigen Namen eine Falschaussprache ihres Namens durch deutschsprachige Fernsehmoderatoren nicht vor laufender Kamera korrigieren, obwohl es gerade dann am nötigsten wäre, weil ja sonst bis zu Millionen Zuschauer das Falsche lernen. Der Korrekturverzicht der Namensträger kann sowohl als Unterwürfigkeit wie auch als Überheblichkeit gewertet werden. Zum èinen wollen sie sich nicht dadurch unbeliebt machen, dass sie ihre Gastgeber in eine peinliche Lage bringen, zum anderen denken sie sich wahrscheinlich, die dummen Deutschen werden’s eh nie lernen. (Man könnte ja auch die Moderatoren vor der Sendung instruieren.) Sprachideologen wie Anatol Stefanowitsch setzen sich sogar im Namen der Wissenschaft für Falschaussprachen ein, und Wikipedia gibt je nach Lust und Laune der Autoren mal richtige Originalaussprachen und mal falsche „Mehrheitsaussprachen“ an, ohne auf den gewaltigen Unterschied hinzuweisen.

All das ist weit entfernt von Multikulti. Multikulti bedeutet, sich mit den anderen Kulturen im Lande auseinanderzusetzen und sie zu verstehen zu versuchen. Dazu gehört natürlich zuallererst das Verstehen der jeweiligen Sprachen in Wort und Schrift. Mangelndes Verstehen führt zwangsläufig direkt zu den gefürchteten Parallelgesellschaften. Wer für Multikulti eintritt, der sollte deshalb mit gutem Beispiel vorangehen und sich wenigstens die Mühe machen, fremdsprachige Namen von Einwanderern linguistisch korrekt auszusprechen. Namen nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung auszusprechen, die nach einer anderen Rechtschreibung geschrieben wurden (z.B. der türkischen), ist natürlich nicht linguistisch korrekt, und auch keine „deutsche Aussprache“, wie Sprachideologen uns immer wieder weismachen wollen: Es ist schlicht Gestammel.

Maybrit Illner hat im vorliegenden Falle bei Somuncus Namen sogar einen Buchstaben falsch ausgesprochen, der nach deutscher und türkischer Rechtschreibung etwa gleich lautet (u). Das dürfte der èine falsche Ton gewesen sein, der das Riesenbäibi zur Explosion brachte. Illners Aussprache legt nahe, dass sie sich auf eine noch niedrigere Stufe der Sprachkultur begeben hat – auf der man nämlich gar keiner Rechtschreibung mehr folgt, sondern einfach die Aussprache nachplappert, die einem so zugeflogen ist oder spontan einfällt, auch wenn sie offenkundig unlogisch ist. So etwas passiert zunehmend Leuten, deren sprachliche Bildung nicht sattelfest ist und die bei „schwierigen Wörtern“ dann komplett die Orientierung verlieren. Von Maybrit Illner hätte ich das allerdings nicht erwartet. Daher kann ich nachvollziehen, dass Somuncu ihr diesen Schnitzer persönlich übelnimmt.

Somuncus Vorwurf, mit Illners Integration habe es nicht geklappt, ist genaugenommen unzutreffend, denn Illner ist ja bestens in die deutsche Gesellschaft integriert. Verständlich wird er aber, wenn man hier Integration durch Integrationsbemühungen ersetzt. Die Grundsatzfrage bei der Integration ist ja: Wer muss sich auf wen zubewegen, damit die Integration gelingt? Die Deutschen auf die ausländischen Kulturen oder die Einwanderer auf die deutsche Kultur? Eine „Willkommenskultur“ würde bedeuten, es den Einwanderern so einfach wie möglich zu machen, indem man sich auf ihre Kulturen zubewegt. Aber das wiederum verlangt von den Deutschen ausgeprägte Multikultifähigkeit. Wie ich bereits schrieb: Wer sich nicht mal die Mühe macht, türkische Namen halbwegs korrekt auszusprechen, ist nicht multikultitauglich. Ja, Multikulti bedeutet viel Lernarbeit und intellektuelle Anstrengung. Es ist brutales Pauken.

*

Siehe auch: „Schlag den Raab“-Kandidat verspielt 500.000-EUR-Chance wegen Fremdsprachenanalphabetismus (oder: Fremdsprachenanalphabetismus – das verniedlichte Problem)

 

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