„Professx Stefanowx“ (The X-Forms I)

Die Geschlechterrollistin Lann Hornscheidt hat eine 54(!)seitige „Broschüre zu antidiskriminierenden Sprachhandlungen veröffentlicht und ist mit ihren wirren Vorstellungen und irren Vorschlägen zu Spiegel-Online-Ruhm gelangt. Das erfordert eine kritische Kommentierung. In diesem Artikel geht es zunächst um Personennamen.

Lann Hornscheidt versucht in der Broschüre u.a., einen Überblick über sämtliche Stellen in der deutschen Sprache zu geben, an denen ihrer Meinung nach gendermanipulativ eingegriffen werden sollte. (Wobei sie, wie unter Sprachideologen üblich, nicht zwischen der Sprache und ihrer schriftlichen Repräsentation unterscheidet.) Zu den betroffenen Wörtern gehören Substantive, Personalpronomen, Possessivpronomen, Fragepronomen, Anreden und akademische Titel. Hornscheidt gibt Anregungen, wie man Personen referenzieren kann, ohne sie in ein traditionelles, angeblich diskriminierendes Geschlechterrollenmuster zu zwängen. Die neueste fxe Idee der sich für Darwinisten haltenden Sprachkreationisten ist die sogenannte x-Form. Aus Professor und Professorin etwa wird das angeblich geschlechterrollenneutrale Professx.

Verwunderlich ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass Hornscheidt kein W_ort über Personennamen verliert, obwohl diese gerade diejenigen sprachlichen Konstrukte sind, durch die Menschen am stärksten geschlechtlich definiert bzw. eingeschränkt werden: Vornamen werden in Deutschland üblicherweise geschlechtseindeutig vergeben (wobei fremdsprachliche Namen mehr und mehr Verwirrung stiften), und ein Großteil der Nachnamen (Familiennamen) hat bereits männliches Geschlecht (Müller/*Müllerin, Baumann/*Baufrau). Nach der Denkweise der Femigrammatiker und der Geschlechterrollisten ist letzteres eigentlich ein Skandal.

Personennamen sind ausnahmsweise eine Stelle in der Sprache, wo die Geschlechter grammatisch gleichberechtigt sein können. Ansonsten funktioniert geschlechtliche Gleichberechtigung in der Grammatik der natürlichen Sprache nämlich nicht. Doch ausgerechnet auf dem einzigen Gebiet der Sprache, wo Gleichberechtigung problemlos möglich ist – den Personennamen – wird in Deutschland die weibliche Form der Familiennamen… UNTERDRÜCKT!

Wenn Hornscheidt nun schon hemmungslos und in voller Absicht sprachliche und gesellschaftliche Konventionen nach Belieben über den Haufen wirft, warum macht sie dann ausgerechnet vor den Personennamen Halt (die zudem oft noch böse-böse christlich/jüdisch sind)? Ich verstehe das nicht. Umso weniger, als ein Blick ins Quellenverzeichnis der Broschüre eix gewissx Alyosxa Tudor als eix Ideengebx für Hornscheidt zum Vorschein bringt. Angesichts des Namens Alyosxa, der allem Anschein nach eine „kreative“ x-Form von Alyosha darstellt, hätte es bei Hornscheidt doch klingeln müssen.

*

Hornscheidt will selbstverständlich nur Anregungen geben und niemanden zu irgendetwas zwingen. Doch wer niemanden zwingen möchte, dem bleibt zur Verwirklichung seiner Ideen nur übrig, bei sich selbst anzufangen und mit gutem Beispiel voranzugehen. So denkt auch der Sprachideologe Anatol Stefanowitsch, der sich in seinen eigenen Texten redlich um eine diskriminierungsfreie Ausdrucksweise bemüht. Dabei sollte allerdings auch er vor seinem eigenen Familiennamen nicht Halt machen.

Stefanowitsch ist ein slawischer Vatersname, der zum Familiennamen hochgestuft wurde, und entspricht etwa dem deutschen Stefanssohn. Vatersnamen und Familiennamen besitzen in den slawischen Sprachen jeweils eine männliche und eine weibliche Form (abgesehen von denjenigen Familiennamen, die nur neutrale Form haben): Stefanowitsch/Stefanow(n)a, Putin/Putina etc. Im Gegensatz zu Deutschland herrscht also in den slawischsprachigen Ländern (wie übrigens auch den baltischen) geschlechtliche Gleichberechtigung nicht nur bei den Vornamen, sondern auch bei den Familiennamen.

Nun ist es in Deutschland leider so, dass aus kulturrassistischen Gründen osteuropäische Sprachen nicht ernstgenommen werden. Ich bin mir sicher: Wenn es in der englischen Sprache weibliche Familiennamensformen gäbe, hätten die Sprachideologen schon längst selbiges für die deutschsprachige Namenskonvention gefordert. Doch in der Wirklichkeit müssen Frauen osteuropäischer Abstammung bei der Einbürgerung die weibliche Namensform ablegen und damit ein Stück weiblicher Identität aufgeben.

Anatol Stefanowitsch könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen und mehrere Fliegen mit èiner Klappe schlagen, indem er sich fortan Stefanowx nennt (sprich: Stefanowichs):

  • Er macht auf die x-Form aufmerksam
  • Er durchbricht die sexistische deutsche Namenskonvention
  • Er raiset die Awareness für andere Fremdsprachen als Englisch

In diesem Unsinne:

Masta Rettkowskx grüßt recht schmerzlich Professx Stefanowx!

 

 

 

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