Joachim Gauck will Inder statt Kinder. Aber wo bleibt der Verstand?

Nicht alles an Joachim Gauck ist schlecht: Er kann gut Reden, und er realisierte geistesgegenwärtig, dass  eine vermeintliche „flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen“  hierzulande lediglich ein Fantasieprodukt der feministischen Propaganda ist. Doch auf dem Flug zum Staatsbesuch nach Indien scheint auch der letzte Rest seiner Vernunftbegabung in die Stratosphäre entfleucht zu sein.

Seine intellektuellen Fehlleistungen in Indien begannen damit, dass er ebenjene „flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen“  in blindem Glauben an die feministische Propaganda dem Gastland vorhielt. Dabei hätte ihm die eigene Erfahrung mit Deutschland doch sagen können, dass auf diese Propaganda kein Verlass ist und er Indien erst viel besser kennenlernen müsste, um sich ein Urteil zu erlauben. Tja, vor wenigen Jahren noch galt Indien als das Land der Yogis und Gurus, bei denen gestresste und frustrierte westliche Frauen scharenweise Entspannung und Erleuchtung suchten. Doch urplötzlich ist all das vergessen, und die neuesten weiblichen Reiseberichte erwecken den Eindruck bestialischer indischer Männer, die aus dunklen Augen gierig auf das weiße Fleisch starren – stellenweise so beschrieben, wie man es nur von Rassisten erwarten würde.

Angesichts dieses wiederaufflammenden „Problembewusstseins“ für indischen Barbarismus erscheint es umso bizarrer, dass Gauck allen Ernstes indischen Schülern eine Einladung zur Einwanderung nach Deutschland ausgesprochen hat mit der hanebüchenen Begründung, hier sei ja Platz genug, und die Deutschen würden eh kaum noch Kinder bekommen. Zwar ist in Indien die Bevölkerungsdichte um 50% höher als in Deutschland, doch gehört auch Deutschland zu den dichtestbesiedelten Ländern der Welt und ist natürlich weit davon entfernt, ein Einwanderungsland zu sein. Wie eng es bebaut ist und wie intensiv es beackert wird, sieht man unter anderem daran, dass dort kaum noch Platz für Windkraftanlagen und Stromtrassen zu finden ist, an dem man nicht den Ortsansässigen auf die Füße tritt. Die platzsparendste Form der Energieversorgung und gleichzeitig diejenige mit dem höchsten Leistungspotenzial ist die Nuklearenergie, während der grüngepolte Gauck Deutschland in Indien als Land der Energiewende anpries. Seit jeher ist es aber ein Kredo der grünen Ideologie, dass Deutschland hoffnungslos überbevölkert sei, weil die Natur einfach nicht so viele Menschen auf engem Raum vertrage, und die Verbreitung dieser Ansicht ist für die deutsche Fortpflanzungsunlust wesentlich mitverantwortlich. Ziel der grünen Energiewirtschaft ist vor diesem Hintergrund nicht nur der Umweltschutz, sondern auch eine Limitierung der Energieversorgung, um dadurch ein Bevölkerungswachstum zu verunmöglichen oder besser noch einen Rückgang zu erzwingen. Warum sonst sollten sich die grünen Ideologen auf genau diejenigen Kraftwerksformen versteifen, die das ungünstigste Verhältnis von Flächenverbrauch zu Leistungsvermögen aufweisen, und deren „Brennstoff“ nicht nach Bedarf importiert werden kann? Die Senkung des Gesamtenergieverbrauchs ist inzwischen sogar EU-Vorschrift. In Indien von der Energiewende zu schwärmen und gleichzeitig ein luxuriöses Platzangebot vorzugauckeln, ist deshalb in höchstem Maße widersprüchlich und unseriös. Wie will Deutschland denn eine nennenswerte Zahl an Zuwanderern aufnehmen, ohne dass der Gesamtenergieverbauch beträchtlich steigen muss? Oder sollen es gerade die jungen indischen Ingenieure sein, die wissen, wie das geht? Ich glaube nicht. Sinn macht Einwanderung innerhalb des grünen Systems nur, solange sich die Schrumpfung der angestammten Bevölkerung rapider vollzieht als die Einwanderung. Welcher intelligente Inder würde jedoch freiwillig in ein Land einwandern, das per Regierungsbeschluss auf Schrumpfkurs ist? So blöd werden nur die Ahnungslosen sein, und die will Gauck doch auch nicht haben.

Obwohl… möglicherweise hält er Ahnungslosigkeit in Deutschland für den Normalfall – denn er hat noch eine Bemerkung gemacht, die nur entweder als Beleidigung des deutschen Volkes interpretiert werden kann oder als Kapitulationserklärung gegenüber der Multikulti-Sprachbrei-Propaganda:

Deutsch ist eine Sprache, die nicht jedem leicht fällt, auch nicht jedem, der in Deutschland wohnt.

Davon ausgehend, dass dieses Zitat den tatsächlichen Wortlaut Gaucks wiedergibt, fällt auf, dass er vorsichtig von „in Deutschland Wohnenden“ spricht, nicht aber von Deutschen oder deutschen Muttersprachlern. Dabei bleibt leider unklar, ob er damit nur Zweitsprachler meint oder auch Erstsprachler – welchletzteres eine ungeheure Beleidigung darstellen würde.  In jedem Falle aber besitzt er die Unverschämtheit, das Scheitern beim Erlernen der deutschen Sprache auf eine unglückliche und überumständliche Natur der deutschen Sprache selbst zu schieben. Und schlimmer noch: Er erklärt fehlerfreies Deutsch für überflüssig und gebrochenes Deutsch zum Normalzustand. Auch hier gilt wieder: Welcher intelligente Inder würde freiwillig in ein Land einwandern, von dessen Sprache er gehört hat, dass sie kaum erlernbar sei – selbst wenn er vom Bundespräsidenten persönlich damit getröstet wird, dass er mit seinem Elend nicht allein ist?

Man muss wissen, dass Gauck diese Äußerung vor Schülern machte, die im Rahmen eines indischen Regierungsprogrammes, an dem angeblich 1000 Schulen teilnehmen (was ich kaum glauben kann), Deutsch als erste Fremdsprache lernen. Vermutlich wollte Gauck den Schülern einfach die Scheu nehmen, die aus Angst vor Fehlern entsteht. Doch wie sollen diese Schüler motiviert sein, sich Mühe zu geben, wenn ihnen eingeredet wird, dass sich die Anstrengung nicht lohnt? Und wieso sollten sie überhaupt Deutsch lernen, wenn der deutsche Bundespräsident längst Englisch zur Sprache der Zukunft in Europa erhoben hat?

Deutschland ist eines der am längsten und am besten alphabetisierten Länder der Welt. Ganz im Gegensatz zu Indien. Aber anstatt mit einer hochentwickelten Sprachkultur zu werben, zieht Gauck diese ins Lächerliche. In meinen Augen ist solches Verhalten für einen Bundespräsidenten unwürdig.

Erschreckend ist auch, dass ausgerechnet der sprachgewandte Gauck, der als Theologe die typische altsprachliche Ausbildung durchlief, bei der einem Grammatikbewusstsein eingeschärft wird, und der von einer griechischen Agora schwärmt, wo andere sich mit einem römischen Forum begnügen, jetzt für ein europaweites Rumpelenglisch eintritt und seine eigene Redeweise für gestrig erklärt. Liegt es möglicherweise daran, dass er wegen seines DDR-Hintergrundes über die Realitäten des Erlernens der englischen Sprache ebenso wenig Bescheid weiß wie über indische Lebensverhältnisse?

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