GNTM: Wolfgang Joop picky because boobs. But why not dubbed?

In der neuen Staffel von „Dschörmenies neckst Toppmoddel bei Heidi Klum“ hat sich der hierzulande weltberühmte Designer Wolfgang Joop gleich in der ersten Folge nicht nur als respektabler Sprücheklopfer, sondern auch als respektloser Sprachpanscher erwiesen.

War man in Sachen Designer-Denglisch ja schon einiges gewohnt, dürfte Wolfgang Joop der erste Deutschsprachige sein, bei dem sich die GNTM-Produzenten genötigt sahen, Untertitel mit deutscher Übersetzung einzublenden. Bisher war das meines Wissens nur bei internationalen Gästen der Fall, wogegen ja nichts einzuwenden ist. (Die letzten paar Staffeln habe ich allerdings nicht verfolgt.)

Es ist jedoch ein Unterschied, ob man nicht Deutsch reden kann oder es einfach nicht will. Bei Joop hatte ich den Eindruck, dass er vor allem dann ins Englische wechselte, wenn er seine neue Scheffin Heidi-Überfrau beeindrucken wollte. Sein „Nobody can do portraits like me“ heißt im Grunde „Kuck mal Mama, ich kann gleichzeitig Englisch sprechen und Gesichter malen, sogar viel besser als der gemeine Karl, der uns beide beleidigt hat!“– es klingt nur nicht so kindisch, sondern eher größenwahnsinnig, wie Designer eben sind.

Wie deutschsprachige Fashion-Täter untereinander im Fachjargon parlieren, habe ich nicht zu bestimmen; wenn sie jedoch vor einem – und für ein – Millionenpublikum im deutschen Fernsehen sprechen, ist es eine Frage der Professionalität, dies auf allgemeinverständliche Weise zu tun. Statt picky und boobs kann man doch auch pingelig und Titten sagen.

Allerdings ließe sich Herr Joop vielleicht disziplinieren, indem man ihm von Seiten GNTMs auftrüge, seine eigene Stimme auf Deutsch zu synchronisieren. Das wäre ihm bestimmt eine Lehre. Und es wäre endlich mal eine sinnvolle Anwendung für Synchronisation. Normalerweise missbraucht man diese Technik in der deutschen Film- und Fernsehwirtschaft ja für die Ersetzung fremdsprachiger Originalstimmen durch deutschsprachige, die jedoch gänzlich anderen Personen gehören. Diese Entstellung der Darsteller und ihrer Darbietungen ist (von seltenen Ausnahmen abgesehen) nichts Geringeres als eine Kulturschande. Ich denke z.B. mit Schrecken an die deutsche Stimme von Bruce Willis und (!) Gérard Depardieu. Die Eigensynchronisation dagegen kommt auch in den besten Originalproduktionen vor, manchmal aus akustischen Gründen, manchmal weil nachträglich Textstellen geändert wurden. Und jetzt sollte man hinzufügen können: Um denglisierenden Sprachpanschern Einhalt zu gebieten.

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Siehe auch: GNTM: „Dominata“ – oder: Wie sprachliche Mutationen dazu führen können, dass man das Gegenteil von dem sagt, was man meint – oder: Von Sprachdarwinismus und unintelligentem Sprachdesign

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