Ab sofort nichtig: der Duden

Wer bisher noch nicht glauben mochte, dass die vermeintlich aus den weltbesten Deutschkennern bestehende Duden-Redaktion längst zu einem Haufen von Ideologen und Betrügern verkommen ist, der sollte sich mal die aktuelle Werbekampagne des Duden-Verlags anschauen. „Ab sofort richtig: die Duden“ lautet das neue Motto. Es ist eine doppelte Provokation, denn die Aussage ist sowohl eine Finte als auch ernst gemeint.

Beim Lesen einer solchen Aussage versucht der interessierte Zeitgenosse ja, Hypothesen darüber aufzustellen, unter welchen Umständen sie Sinn ergeben könnte. Wer gesellschaftlich auf dem Laufenden ist, dem fällt dazu ein, dass es sich um ein Bekenntnis zur Femigrammatik handeln könnte, also der regelwidrigen und häufig verständniserschwerenden, aber von feministischen Sprachideologen vorangetriebenen Ersetzung korrekter männlicher grammatischer Formen durch falsche weibliche oder geschlechtsneutrale.

Der seriöse Sprachfreund ist bei diesem Gedanken natürlich sofort empört: Wie kann der scheinbar wissenschaftlich seriöse Duden sich auf die Seite eines politischen Lagers stellen, das die Sprache als Werkzeug für ideologischen Gesinnungsterror missbraucht und Ideologie als Wissenschaft verkauft?

Schaut man dann genauer auf die Werbeanzeige, erkennt man, dass hier gleich mehrere Duden-Produkte beworben werden und dass die Duden schlicht als Plural gemeint ist. Der Leser wird hier bewusst irregeführt, indem er dazu verleitet wird zu glauben, dass es sich um eine femigrammatische Form handele – nur um dann sein „Vorurteil“ widerlegt zu sehen. (Aufgrund der Tatsache, dass die Pluralform ja schon vorher richtig war, schließt man die Interpretation als Plural zunächst natürlich aus.)

Eine bewusste Irreführung kann im Zusammenhang einer Werbeanzeige nur scherzhaft gemeint sein. Nun ist die Frage: Über wen soll hier gelacht werden? Über die Femigrammatiker? Oder über die seriösen Sprachfreunde? Um das herauszufinden, habe ich mich auf dem Duden-Internet-Situs etwas umgesehen. Dort gibt es auf der Presse-Seite ausführliche Informationen zu den beworbenen neuen Produkten. In zwei aufeinanderfolgenden Absätzen finden sich Passagen, die verraten, wes Ungeistes Kind die Duden-Redaktion heute ist:

Die Duden-Empfehlungen

[…] Die Empfehlungen der Duden­redaktion [bei Schreibvarianten] gründen vor allem auf der Häufigkeit ihres Vorkommens, also ihrem tatsächlichen Gebrauch im Sprachalltag.

Neue Wörter zeigen Trends

[…] Bezeichnungen wie Vorständin, …

Der Absatz zu den Duden-Empfehlungen beweist, dass die Duden-Redaktion Populismus über Wissenschaft stellt: Als richtig gilt, wovon das Volk glaubt, dass es richtig sei, wie z.B. dass recyceln eine regelkonforme Schreibweise sei. Das Volk verlässt sich auf den Duden, während der Duden sich auf das Volk verlässt. Ich nenne es das Duden-Paradoxon.

Ein Zeugnis für pseudowissenschaftliche Formenbildung, die vom Duden unterstützt wird, liefert dann der nächste Absatz. Dort ist als Beispiel für einen Neologismus Vorständin genannt. Bei diesem Ausdruck handelt es sich eindeutig um Femigrammatik, denn die Movierung von Vorstand zu Vorständin ist regelwidrig, weil das Geschlecht von Vorstand kein natürliches, sondern ein rein grammatisches ist (dazu hier demnächst ein eigener Weblog-Artikel). Die hierbei angewandte „Wissenschaft“ ist nichts anderes als pseudowissenschaftliche Geschlechterrollenideologie.

Würde die Duden-Redaktion Femigrammatik nicht befürworten, würde sie nicht die Aufnahme von Vorständin an die große Glocke hängen. Der Werbespruch „Ab sofort richtig: die Duden“ ist also doch ein Bekenntnis zur Femigrammatik. Im Grunde soll der Spruch sagen: „Wir verhalten uns neutral, stehen aber mit unseren Herzen auf der Seite der feministischen Ideologen.“

Mich widert so eine doppelbödige Moral an. Der Werbespruch ist eine Ohrfeige für alle, die Achtung vor ihrer Muttersprache haben und sie vor ideologischem Missbrauch schützen wollen. Nicht nur werden sie durch die Duden-Redaktion verraten und verkauft, sondern auch noch vorgeführt, indem man sie in die Vorurteilsfalle laufen lässt.

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