Warum niemand das Recht hat, anderen feministische („geschlechtergerechte“) Sprache vorzuschreiben

Unabhängig von der Beantwortung der Frage, was von der These der frauenfeindlichen deutschen Sprache zu halten ist, haben der Staat oder private Autoritäten so oder so kein Recht, feministisch in die Sprache einzugreifen und die gewohnte Ausdrucksweise zu verbieten oder eine angeblich geschlechtergerechtere Ausdrucksweise vorzuschreiben. Hier die Begründung:

Der Feminismus beruht auf der These, dass Männer ihre körperliche Überlegenheit gegenüber Frauen ausnutzen, um diese zu unterdrücken. Ausgehend von ihrer durch physische Gewalt errungenen gesellschaftlichen Machtposition haben Männer Gesetze erlassen, die gewisse Rechte für Frauen einschränkten, und anschließend hat die aus Männern bestehende Polizei mit physischer Gewalt dafür gesorgt, dass Frauen, die diese Gesetze übertreten, bestraft werden.

Allerdings hat es nie ein Gesetz gegeben, das die Benutzung weiblicher Formen in der Sprache unterdrückt. Deshalb kann es auch nicht von Gesetzes wegen zu körperlicher Nötigung (Verhaftung etc.) von Frauen wegen zu weiblich geprägter Sprache gekommen sein. Es gibt auch keine Belege dafür, dass jemals Männer geglaubt haben, das Gewohnheitsrecht zu besitzen, Frauen wegen Benutzung weiblicher Wortformen schlagen, einsperren, ihnen den Chefposten verweigern oder sie sonst irgendwie misshandeln oder benachteiligen zu dürfen. Auch von Einzelfällen der Selbstjustiz aufgrund von zu weiblicher Sprache ist mir nichts bekannt.

Im Gegenteil. In früheren Zeiten waren ja der breiten Bevölkerung nicht einmal die grammatischen Begrifflichkeiten bekannt, die man beherrschen muss, um die Unterscheidungen treffen zu können (Femininum, Maskulinum etc.). Die Grammatik wurde rein nach Gefühl verwendet, ohne dass man sich bewusst war, ob man gerade eine männliche oder weibliche Form benutzt.

Und hier gibt es wiederum keine mir bekannten Hinweise darauf, dass Frauen sich jemals in Bezug auf die Verwendung weiblicher bzw. männlicher Wortformen anders verhalten hätten als Männer. Wie kann man also den Männern eine Sprechweise vorwerfen, die von Frauen ganz freiwillig genauso gepflegt wurde und wird? Offenbar haben Frauen selber es niemals für nötig gehalten, durch verstärkte Benutzung weiblicher Wortformen ein Zeichen zu setzen. Wie kann man ernsthaft behaupten, Männer würden weibliche Wortformen unterdrücken, wenn Frauen ihnen nicht einmal die Gelegenheit zur Unterdrückung geben, weil sie bereits von sich aus männliche Formen verwenden?

Wie auch immer man persönlich zum Thema frauenfeindliche Sprache steht: Die Tatsache, dass dabei weder frauenfeindliche Gesetze noch physische Gewalt im Spiel sind, nimmt dem Staat oder privaten Autoritäten das Recht, einzugreifen und Vorschriften zu erlassen. Sprachwissenschaftler behaupten, nachgewiesen zu haben, dass beim generischen Maskulinum die Rezipienten tendenziell nur Männer „konzeptualisieren“, obwohl vom Sprecher Frauen mitgemeint sind. Na und??? Dann ist es eben so!!! Der Staat oder private Autoritäten haben hier trotzdem kein Recht einzugreifen, denn die Gedanken sind frei! Liebe Leute, „geschlechtergerechte Sprache“ ist lupenreine Gedankenkontrolle!

Und wieso trauen die Feministen den Bürgern eigentlich nicht zu, dass diese selber in der Lage sind, den richtigen Ton zu treffen? Man muss sich einmal klarmachen, was für eine unglaubliche Entmündigung des Volkes das ist. Ständig reden die progressiven Ideologen davon, dass man die Mehrheit der Menschen nur aus der Unterdrückung durch eine böswillige, diktatorische Minderheit befreien muss, damit die Gesellschaften in Frieden und Freiheit erblühen. Doch die feministischen Sprachideologen trauen weder Männern noch Frauen – also der gesamten Bevölkerung nicht – zu, von selbst die richtige Sprache zu finden! Wieso eigentlich nicht? Was ist das denn für ein Menschenbild? Was hat das noch mit Demokratie zu tun, wenn eine winzig kleine Minderheit fanatischer Ideologen der gesamten Bevölkerung den Mund verbieten will? Wer ist denn hier bitte der Unterdrücker?

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2 Antworten zu Warum niemand das Recht hat, anderen feministische („geschlechtergerechte“) Sprache vorzuschreiben

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