Ab jetzt: Stefanowotsch

Vor einigen Jahren bin ich im Internet erstmals auf Äußerungen des Sprachideologen Anatol Stefanowitsch gestoßen. Damals war mir noch nicht so recht klar, in welchem Ausmaß die Sprachideologen bereits von der Sprachwissenschaft Besitz ergriffen haben und wie sehr sie die Öffentlichkeit kraft ihrer vermeintlichen wissenschaftlichen Autorität manipulieren, um die Bevölkerung auf ihre ideologische Linie zu bringen. Im Laufe der Zeit wuchs jedoch mein Bewusstein für das Unwesen der Sprachideologen, von denen Stefanowitsch der aktivste und aggressivste ist, den ich kenne, sodass ich immer stärker das Bedürfnis empfand, dem etwas entgegenzusetzen.

Im vergangenen Jahr (2012) habe ich mich dann erstmals auf Stefanowitschens Sprachlog in eine damals aktuelle sprachkritische Debatte eingemischt. Schon meinen ersten Kommentar hat er zunächst nicht veröffentlicht, weil er mein Pseudonym (Anatols Antagonist) als beleidigend empfand. Nach kurzem E-Mäil-Wechsel und entschärftem Pseudonym (Sprachlogiker) „durfte“ ich dann im Forum mitdiskutieren. Doch bereits beim nächsten Thema krachte es wieder, obwohl ich gar nicht Stefanowitsch persönlich angegriffen hatte, sondern nur einem anderen Foristen klar meine Meinung über dessen Äußerungen und seine daraus zu schließenden Charaktereigenschaften mitgeteilt hatte. Der Forist verlangte, ich solle mich bei ihm entschuldigen, woraufhin ich im Gegenzug ihn dazu aufforderte, sich auch für seine eigenen Äußerungen zu entschuldigen. Stefanowitsch schlug sich nun auf die Seite des Foristen und verlangte höchstselbst von mir eine einseitige Entschuldigung, die ich ablehnte, weil ich nicht akzeptieren konnte, dass der andere Forist als moralischer Sieger dastehen sollte. Von da ab schaltete Stefanowitsch meine Kommentare nicht mehr frei. Ein Versteckspiel mit anderen Pseudonymen wollte ich gar nicht erst beginnen, weil das unter meiner Würde ist.

Ein paar Monate später zog das Sprachlog dann um und zwei weitere Autorinnen gesellten sich hinzu. Nach dem Motto neues Spiel, neues Glück versuchte ich es wieder mit Kommentaren, wovon nach mir unbekannten Motiven einige freigeschaltet wurden, andere nicht. Irgendwann habe ich dann in einem Kommentar Stefanowitsch als das bezeichnet, was er ist: einen Ideologen. Seitdem wurde kein Kommentar von mir mehr freigeschaltet. Trotzdem habe ich noch einige geschrieben, ohne zu wissen, ob Stefanowitsch sie noch persönlich las oder ob sie ungelesen im Datengrab versenkt wurden.

Ich gehe davon aus, dass Stefanowitsch, der sich sicher für den objektivsten, unbestechlichsten, vorbildlichsten und tugendhaftesten Wissenschaftler aller Zeiten hält, sich durch meine Titulierung als Ideologe wieder persönlich beleidigt fühlte und es nur als konsequent empfand, diesen scheinbaren Bruch seiner Ich-bin-das-Gesetz-artig vorgetragenen Kommentarregeln mit Redeverbot zu ahnden. Doch Ideologe ist keine Beleidigung, sondern eine Bezeichnung, die man zwar auf sich selbst bezogen nie gerne hört, aber in einer politischen Diskussion akzeptieren muss, auch wenn man sie selber für unangemessen hält (denn Ideologen sind natürlich immer nur die anderen). Zumal dann, wenn man wie Stefanowitsch selber lustvoll bei jeder Gelegenheit polemische Seitenhiebe auf politische Gegner austeilt. Wer verbal austeilt, muss auch verbal einstecken können.

Stefanowitsch gibt sich als gewaltfreier Pazifist, für den das Wort die einzige Waffe ist, die man braucht und die moralisch zulässig ist; er gebärdet sich aber in Bezug auf sein eigenes Forum wie ein absolutistischer Alleinherrscher, dem man dankbar sein darf, wenn er einem nicht den Mund verbietet. Doch wie soll man denn mit Worten kämpfen, wenn man mundtot gemacht wird? Diese Vorgehensweise entwickelt sich übrigens zum Standardverfahren bei den politisch Korrekten: Sie versuchen, sich beliebt zu machen, indem sie behaupten, sie würden für weltweite Redefreiheit und Redemöglichkeit auch für die bisher zum Schweigen Gezwungenen kämpfen, doch wenn jemand eine ihnen nicht genehme Meinung vertritt, bezichtigen sie ihn der politisch unkorrekten Sprache (rassistisch, sexistisch, sozial ausgrenzend usw.), die zum Schweigen gebracht werden muss, damit keiner von den „Schwachen“ stigmatisiert, beleidigt oder lebenslang traumatisiert wird.

Solche Leute wie Stefanowitsch sind natürlich genau diejenigen, die jeden verachten, der versucht, das, was er für sein gutes Recht hält, mit Gewalt durchzusetzen, wenn er mit Worten nicht weiterkommt – weil sie der Meinung sind, dass Leuten, die zu Gewalt greifen, doch nur die Argumente fehlen. Aber wer kennt sie nicht, die Typen, die einen mit verbalen Unverschämtheiten, die man sich selber aus Anstand verbietet, solange provozieren, bis man ihnen Prügel geben möchte, während sie genau wissen, dass man niemals zuschlagen wird, weil sie dann sofort sagen würden: Wer zuschlägt, hat bloß keine Argumente? (Mal ganz abgesehen von der Strafverfolgung. Oder man kann gar nicht zuschlagen, weil das Internet dazwischen ist.) Wer aber von seinem Gegner verlangt, dass er als einzige Waffe Worte benutzt, muss ihm auch gestatten, diese Waffe zu verwenden und darf sie ihm nicht wegnehmen.

Stefanowitsch ist rassistisch (gegenüber Weißen) sexistisch (gegenüber Männern), volksfeindlich und religionsfeindlich. Er spielt sich aber auf als Beschützer aller vermeintlich von der Mehrheit unterdrückten Minderheiten bzw. von einer Minderheit unterdrückten Mehrheiten. Gleichzeitig besitzt er die typische widersprüchliche elitäre Arroganz der Linksintellektuellen, für die der Großteil des Volkes ungebildeter Pöbel ist. Komisch: Wo es sprachlich langgeht, soll nach seiner Ideologie die Masse bestimmen und nicht die Bildungselite, aber wenn einer aus der Masse eine eigenständige Meinung über Sprache vertritt, wird ihm das Mitspracherecht verwehrt (vgl. oben), wenn er keinen Abschluss als Sprachwissenschaftler vorweisen kann. Wie passt das zusammen?

Stefanowitsch benutzt die Sprachwissenschaft als Plattform für seine ideologische Propaganda. Gleichzeitig benutzt er ideologische Propaganda, um sich als Sprachwissenschaftler wichtig zu machen und seine Karriere zu befeuern. Er ist ein Fanatiker, der sogar das Offensichtliche verleugnet und solange die Wirklichkeit verbiegt, bis sie zu seiner Ideologie passt. Solchen Leuten muss Einhalt geboten werden. Wir können doch nicht zulassen, dass fanatische Ideologen der Gesellschaft ihre Meinung diktieren, nur weil sie ein Prof. Dr. vor ihrem Namen stehen haben und sich auf die Wissenschaft berufen. Inzwischen verhalten sich die Wissenschaftler genauso wie die Kirche im Mittelalter und später die kommunistische Partei: Aus Der Papst ist unfehlbar, weil er der Papst ist wurde Die kommunistische Partei hat immer Recht, weil sie die kommunistische Partei ist, und nun sollen wir alles glauben, was Wissenschaftler sagen, ohne deren Argumente zu hinterfragen, weil angeblich Wissenschaftler per se nur die Wahrheit sagen, weil sie ja Wissenschaftler sind. Ein Klimawissenschaftler würde natürlich niemals die Unwahrheit sagen, nein nie, nie, niemals (im Gegensatz zu einem Vertreter der Ölindustrie, der natürlich IMMER nur lügt, nur, nur, nur), und ein Sprachwissenschaftler sagt natürlich erst recht immer nur die Wahrheit… Schön wär’s! Stefanowitsch nämlich verleugnet sprachwissenschaftliche Erkenntnisse, die jeder Student im Grundstudium lernt, und stellt sie sogar auf den Kopf. Dabei zaubert er Argumente aus dem Hut, die zwar für sich isoliert betrachtet plausibel klingen, aber entweder zum größeren Zusammenhang in Widerspruch stehen oder aber von völlig untergeordneter Bedeutung sind. Der nicht vorgebildete Leser merkt das leider nicht, weil ihm der größere Zusammenhang fehlt und weil er nicht weiß, dass es keinen objektiven Maßstab zur Gewichtung von Argumenten gibt, da ihm die Wissenschaftler einen solchen stets vorgaukeln. Deshalb muss man endlich Stefanowitschens Argumente auseinandernehmen, Widersprüche aufzeigen und seine tendenziösen Gewichtungen wieder ins rechte Maß bringen.

Nachdem ich das Sprachlog nun weiter verfolgt habe (und auch andere Zeugnisse Stefanowitschens im Internet) ist mein Drang zur Widerrede so stark geworden, dass ich sie eben ersatzweise auf meinem eigenen Weblog veröffentlichen werde. Außerdem ist soviel dazu zu sagen, dass es in Forumskommentare gar nicht mehr hineinpasst. Deshalb gibt es ab jetzt hier die neue Kategorie Stefanowotsch (in engl. Rechtschreibung Stefanowatch).

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3 Antworten zu Ab jetzt: Stefanowotsch

  1. Jope schreibt:

    Vielen Dank für den Artikel.

    Mir geht Stefanowitschs Arroganz auch auf den Keks. Stefanowitsch ist allerdings nicht der einzige Linguist mit seiner Haltung gegenüber Nicht-Linguisten und seiner politischen Einstellung.
    Linguisten bezichtigten oft Laien (vor allem die bösen „Sprachnörgler“) einer Hochnäsigkeit, die sie selber ständig an den Tag legen. Diesselbe Haltung ist mir auch bei englischen/amerikanischen Linguisten, z.B. auf Reddit (www.reddit.com/r/linguistics) aufgefallen. Auch die eher linke politische Einstellung scheint wohl typisch für viele Linguisten zu sein.
    Auf der einen Seite eine Bewertungsphobie („alle Wörter und Redeweisen sind gleich gut, lasst die Leute reden wie sie wollen“), auf der anderen Seite wird das Verbot von „rassistischen“ und „unterdrückerischen“ Wörtern gepredigt. Die Linguisten selbst sehen darin keinen Gegensatz; mit logischem Denken hat das aber für mich nichts zu tun.

    Zu diesem Thema kann ich Dir folgendes Buch wärmstens empfehlen, in dem Zimmer unter anderem auf genau dieses Thema eingeht (aber nicht nur) :
    Dieter E. Zimmer, Sprache in Zeiten ihrer Unverbesserlichkeit, Hoffmann und Campe, 2005

    Gibt es auf Amazon gebraucht quasi fast umsonst:
    Amazon: http://www.amazon.de/Sprache-Zeiten-Unverbesserlichkeit-Dieter-Zimmer/dp/3455094953

  2. Pingback: Anatol Stefanowitsch macht Frauen unsichtbar | FUROR MUNDI

  3. Querdenkmaler schreibt:

    Es tut gut zu lesen, dass der ehemalige Sprachwissenschaftler und jetzige Genderideologe Stefanowitsch nicht nur mir auf den Keks geht. Wie alle Ideologen verfährt er nach dem Rezept:
    1. Man konstruiere ein künstliches Problem.
    2. Man produziere sich als Löser dieses Problems.

    Dabei war ich vor Jahren, zu Zeiten des durchaus witzigen Bremer Sprachblogs, sogar ein Fan von ihm. Er war es, der mich zur Linguistik gebracht hat – und wirft nun selber alle Grundsätze und Erkenntnisse derselben über den Haufen.
    Sprachökonomie? Teufelswerk!
    ‚Linguistik ist deskriptiv, nicht präskriptiv‘, habe ich von ihm gelernt. Nun ja, wenn man zig Mio. Menschen, welche die von ihm geforderten sprachlichen Verrenkungen ablehnen, als sexistisch und rassistisch diskriminiert, ist das in seinen Augen vermutlich streng deskriptiv. Der präskriptive moralische Zeigefinger bohrt sich einem dennoch ins Auge. Jedenfalls benutze ich weiterhin den generischen Plural (eben nicht: Maskulinum), ohne dass mich eine einzige Frau je als Sexisten bezeichnet hat.

    Dabei ist die Handvoll von ihm zitierter Studien entweder von wissenschaftlich unterirdischer Qualität oder im Netz gar nicht auffindbar. Verräterisch sind seine Standardphrasen wie (sinngemäß) ‚wissenschaftlich eindeutig belegt‘, ohne dass er wirklich Belege präsentiert. Wissenschaft geht anders.

    Sein endgültiges intellektuelles Armutszeugnis stellt er sich mit dem Kreuzzug gegen die „Negerprinzessin“ (Pipi Langstrumpf) aus. Uiih, ‚kolonialistische Konnotation!‘. Er verfälscht es zu „Südseeprinzessin“. Als ob die Südsee nie kolonialisiert worden wäre!

    Auch bzgl. ‚Moderation‘ von Sprachlog-Kommentaren sind wir Leidensgenossen.
    Da lese ich lieber weiterhin dieses Blog!

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