Jakob Augstein und die Antinuklearkraft-Antisemitismus-Konnexion

Der Linksideologe Jakob Augstein stellt in seiner SPON-Kolumne in dem Artikel Populisten-Partei „Alternative für Deutschland“: Politik für Männer ab 50 einen direkten Zusammenhang zwischen Klimawandelskeptizismus und nationalistisch-reaktionärem Gedankengut her. Die beginnenden Aktivitäten der Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland kommentiert er u.a. mit folgenden Worten:

Als nächstes geht es gegen den Islam, die Klimaforschung, den Feminismus und die Schwulen – das ganze Programm der modernen Rechtspopulisten. […]

Die populistische Rechte hat mit Israel schon längst kein Problem mehr. In ihrer Ideologie mischt sich auf krude Weise die Furcht vor der Überfremdung durch den Islam mit der Ablehnung der Ergebnisse der Klimaforschung, dem Wunsch nach Rückkehr zur Atomkraft […]

Bei diesen Komplimenten möchte ich als Klimawandelskeptiker mich gerne revanchieren und noch einmal überprüfen, ob sich nicht doch ein direkter Zusammenhang zwischen Jakob Augsteins eigener Ideologie und dem Antisemitismus herstellen lässt – eine These, die von jüdischer Seite aufgestellt und dann scheinbar vielfach „widerlegt“ wurde.

Interessant ist der Satz Die populistische Rechte hat mit Israel schon längst kein Problem mehr. Er lässt sich auf zweierlei Weise interpretieren:

1.) Wenn schon die Rechten kein Problem mit Israel haben, dann muss J. Augstein als Linker ja erst recht über jeden Antiisraelismus-/Antisemitismus-Verdacht erhaben sein.

2.) Wenn die Rechten kein Problem mit Israel haben, kann das nur daran liegen, dass beide ideologisch auf derselben Linie liegen.

Ich weiß nicht, was J. Augstein geglaubt hat, das seine Leser sich bei diesem Satz denken würden. Ich jedenfalls denke mir meinen Teil, und der geht so:

Ablehnung der Ergebnisse der Klimaforschung und Wunsch nach Rückkehr zur Atomkraft ist für Vertreter der neuen deutschen Weltanschauung wie J. Augstein untrennbar mit bösartigen Charaktereigenschaften verbunden. Sie (die Vertreter) können sich nicht vorstellen, dass ein moderner, weltoffener, toleranter Mensch solche Ansichten vertritt. Da fossile Energieerzeugung und Nuklearkraft nach ihrer Vorstellung nur gegen den Willen der aufgeklärten (!) Bevölkerung durchsetzbar sind, ist jeder Befürworter dieser Technologien für sie ein antidemokratischer Unterdrücker. J. Augstein sieht sich und seine Publizistenkollegen als Aufklärer, die es zumindest im deutschen Sprachraum geschafft haben, die Mehrheit der Bevölkerung von der Bösartigkeit der genannten Technologien und ihrer Befürworter zu überzeugen. Weitere Sprachräume würden dann nach dem Prinzip der Dominotheorie folgen.

Wer die zivile Nutzung der Nuklearenergie ablehnt, muss allerdings auch die militärische ablehnen, denn historisch wurde erstere ja aus letzterer geboren. Und da gibt es im Falle Israels ein Problem. Wenn es nämlich heute èinen Staat auf der Welt gibt, der nukleare Abschreckung zur Gewährleistung der nationalen Sicherheit wirklich benötigt, dann ist es Israel. Aber da nicht sein kann, was nicht sein darf, wird eine politische Lage konstruiert, in der diese bittere Wahrheit nicht gilt. Nach der neuen deutschen Weltanschauung ist nämlich die Behauptung, auf zivile oder militärische Nutzung der Nuklearenergie angewiesen zu sein, immer nur eine Schutzbehauptung, die bösartige Absichten verdecken soll. Um diese Theorie aufrechtzuerhalten, muss die israelische Regierung zwangsläufig bösartiger Absichten bezichtigt werden. Die immer noch nuklearwaffenstarrenden USA werden dagegen entschuldigt, da deren Präsident Obama sich ja um Abrüstung „bemüht“. Das israelische Ansinnen, den Iran am Bau einer Nuklearbombe zu hindern, wird jedoch nicht als Antiproliferation, sondern als Maßnahme zur Sicherung der israelischen nuklearmilitärischen Vorherrschaft interpretiert.

Nun ist Israel keine Diktatur. Die Regierung wird vom Volk gewählt. Aber was, wenn das israelische Volk nicht aufhört, Regierungen zu wählen, die eine nukleare Politik der Stärke betreiben? Was, wenn die Dominotheorie der Antinuklearaufklärung dort nicht greift? Dann bleibt den Antinuklearideologen nichts anderes übrig, als die Unterstellung der Bösartigkeit von der Regierung auf das Volk zu übertragen. Und dann rutscht Israelkritik in Antisemitismus ab.

Noch ist es nicht so weit. Noch glauben die deutschen Antinuklearideologen mehrheitlich, dass die „Seilschaften“ der ((christlichen) weißen) Männer über 50 Jahren große Teile der Welt noch so sehr im Griff haben und manipulieren, dass erneuerbare Energien und umweltfreundliche Waffen (!) am Durchbruch gehindert werden. Doch irgendwann werden reale Entwicklung und von der Ideologie vorhergesagte Entwicklung (Dominotheorie) so weit auseinanderklaffen, dass entweder die Ideologen ihren Fehler eingestehen müssen oder die Ideologie wie für Israel beschrieben angepasst werden muss. J. Augsteins Rhetorik ist geeignet, die Tendenz zum Letzteren zu bestärken.

Unabhängig davon ist er offenbar bereit, die Existenz des Staates Israel und seiner Bevölkerung aufs Spiel zu setzen, nur um ohne Nuklearwaffen auszukommen. Ob die Bereitschaft, das jüdische Volk für den persönlichen ideologischen Triumph zu opfern, antisemitisch ist, möge nun jeder für sich entscheiden.

*

PS: Wer sich fragt, warum ich nur Nuklear-, aber nie Atom– oder Kern- schreibe, möge hier nachlesen: Kernschmelze, Kernverschmelzung und der termonologische Super-GAU.

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