Zum „Bericht zur Lage der deutschen Sprache“

Bei Welt-Online ist ein Artikel über den Bericht zur Lage der deutschen Sprache erschienen, zu dem ich einen Forumskommentar geschrieben habe. Da der Kommentar aber nicht freigeschaltet wurde, veröffentliche ich ihn ersatzweise hier. Zum Verständnis des Kommentars bitte erst den Artikel lesen.

Wieder einmal wird jeder Aufruf zur Sprachpflege ins Lächerliche gezogen. Wer sich über Anglizismenwahn beschwert, wird gleich als „Apokalyptiker“ bezeichnet.

Komisch, von 1 bis 2 Grad Klimaerwärmung geht die Welt auch nicht unter, und trotzdem bezeichnen alle braven Wissenschaftler das als „Katastrophe“.

Man sieht, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

Und im Zeitraum von 1995-2004 wuchs der Wortschatz auf computergezählte 5,328 Millionen an.

Was natürlich nicht gesagt wird: Geprägt wird die Sprache nicht durch die Gesamtheit der Wörter, sondern durch die häufigsten Wörter. Und unter diesen finden sich eben immer mehr englische.

Übel ist auch, dass der indogermanische Vereinfachungstheoretiker so tut, als würden die artikellosen slawischen Sprachen schlicht nicht existieren. Fast ganz Osteuropa ist für ihn bedeutungslos. Germanozentrischer geht’s kaum.

Dann noch das blöde Wort Zeitscheibe, eine misslungene Übersetzung von time slice. Gemeint ist Zeitabschnitt, was wir ohne Sprachverhunzung durch Gelegenheitsübersetzer immer noch sagen würden.

Es gibt auch mehr Anglizismen, weil es überhaupt mehr Wörter gibt.

Wohl eher umgekehrt.

Die weitaus meisten Anglizismen sind nicht entlehnt, sondern im Deutschen gebildet… wie jobben.

Job ist also aus dem Englischen entlehnt, jobben nicht? Für wie blöd hält der Typ seine Zuhörer?

Man hoffe, so Eisenberg, dass künftig nicht mehr jeder ungestraft jeden Unfug über den vermeintlichen Sprachverfall verbreiten könne.

Wie jetzt: Will er Kritiker etwa polizeilich verfolgen lassen? Aber genau wie die Klimadebatte soll auch die Sprachdebatte mit struktureller Gewalt unterdrückt werden. Was ist nur aus dem freien Meinungsaustausch in den Wissenschaften geworden?

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