RTL klagt an: Bei Ferrari spricht man Italienisch!

<Ironie>

Beim großen Preis von Deutschland 2012 der Motorsportserie Formel 1, der in Hockenheim ausgetragen wurde, hat das Moderatorenduo des übertragenden Fernsehsenders RTL sich vor Millionen Zuschauern über eine mittelalterliche Praktik des Ferrari-Rennstalls beschwert: Man spricht dort bei der Funkkommunikation mit den Fahrern während des Rennens doch tatsächlich noch Italienisch! Ja dürfen die das? Wenn es nach dem Wertesystem der RTL-Moderatoren ginge, wäre diese Unsitte schon längst verboten. Denn wie sollen sie die hochspannenden Statusmeldungen und Taktikkommandos des Boxenfunks für die deutschen Zuschauer dolmetschen, wenn diese nicht in Englisch vorliegen, der internationalen Sprache des Motorsports, der Unternehmenssprache von Bernie Ecclestone, der einzigen Fremdsprache, die RTL bei Bewerbungen verlangt? Wie sollen die Moderatoren ihre Weltläufigkeit durch Übersetzen einer Fremdsprache beweisen, wenn sie es mit einer Sprache zu tun bekommen, die ihnen fremd ist? Außerdem muss die zu übersetzende Fremdsprache eine sein, die die Zuschauer längst selber beherrschen, damit sie auch merken, dass die Moderatoren wirklich übersetzen können und nicht nur so tun. (Ein Verdacht, der einem bei so manchem Sportmoderator in den Sinn kommt). Bleibt also nur: Englisch!

Der offizielle deutsche Fänklub von Sebastian Vettel ist da schon weiter. Auf seinem laut RTL-Moderator 225 qm großen Anfeuerungsbanner für den Liebling der Schumi-war-gestern-Generation stand in riesigen Lettern GO SEB! (Seb ist die englische Koseform von Sebastian, Basti die deutsche.) Man stelle sich vor, der Fänklub hätte sich dazu verstiegen, zu schreiben LOS BASTI! Rund um den Globus hätte die internationale Zuschauerschaft über die peinlichen Deutschen gespottet, die nicht wissen, dass man lose [lu:z] mit e schreibt. Zudem hätte es im Internet Solidarisierungsaktionen mit diesem armen Basti gegeben, der von den Seb-Vettel-Fäns gemobbt wird. Denn wer außerhalb des deutschen Sprachraums kann schon ahnen, dass Basti eine Koseform von Sebastian sein soll? Das wäre vom internationalen Publikum wirklich zuviel verlangt.

Ich fordere: Bei Ferrari dürfen ab sofort keine Fahrer aus romanischen Ländern mehr eingestellt werden, sondern am besten nur noch Inder und Japaner, damit keine Gefahr besteht, dass man sich beim Ferrari-Boxenfunk auf eine romanische Sprache einigt.

Und jetzt GO ENGLISH!

</Ironie>

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